Star Trek V: Am Rande des Universums

So gut der letzte »Star Trek«-Film war, so schlecht ist dieser hier. Aufgrund einer beim Vorgänger getroffenen Vereinbarung sollte diesmal William Shatner den Regiestuhl besetzen. Die mangelnde Qualität kann man aber kaum ihm allein anlasten, da auch andere Dinge während der Produktion schief liefen.

Zunächst zur Story. Ein verbannter Vulkanier, der sich unglaubwürdigerweise als Spocks Halbbruder Sybok herausstellt, nimmt auf einem verlassenen Wüstenplaneten einige Konsuln als Geisel. Kirk und Co. werden zu dem Planeten geschickt, um das Problem zu lösen, doch die Geiselnahme war nur ein Trick von Sybok, um sich eines Raumschiffes zu bemächtigen. Er plant, damit zu einer in einer Energiewolke verborgenen Welt zu gelangen, die er für die Heimat Gottes hält.

Die Grundidee und die anschließende Frage, ob das übernatürliche Wesen dort wirklich Gott ist, haben durchaus ihren Reiz, aber bei der Umsetzung gab es Probleme. Der Hauptgrund für den Frust ist jedoch zweifelsohne das schlechte Drehbuch.

Die Dialoge sind gestelzt und wirken teilweise aufgesetzt wie bei einer miserablen Daily-Soap. Humor wollte man offenbar mit der Holzhammermethode einbringen, so sind einige Szenen – zum Beispiel die mit der nackten Uhura als Ablenkungsmanöver – einfach nur zum Fremdschämen. Die Charaktere, darunter Scotty, erkennt man stellenweise nicht wieder. Man fragt sich, ob der Drehbuchautor jemals eine »Star Trek«-Folge gesehen hat. Eine Mitschuld kann man sicher dem damaligen Drehbuchautorenstreik in Hollywood einräumen. Als dieser endlich beendet war, wurde die Zeit knapp und man konnte sich mit dem Studio nur mit Mühe und Not über das Skript einigen. Ein paar Szenen scheint man auch ganz einfach geklaut zu haben. So ähnelt die Stadt auf dem Wüstenplaneten doch frappierend einer Low-Budget-Version des »Star Wars«-Raumhafens Mos Eisley.

Probleme gab es auch mit den Spezialeffekten. ILM war mit anderen Projekten beschäftigt, also musste man alternative Lösungen finden, die im Streifen leider nicht gut aussehen. Modelle wurden von den letzten Filmen recycelt, sodass viele Außenszenen der Raumschiffe definitiv nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind. Darunter musste das Finale besonders leiden, da einige Szenen, zum Beispiel die der bösen Steinwesen wie bei »Galaxy Quest«, so schlecht waren, dass man sie einfach herausschnitt. Für Neudrehs waren weder Zeit noch Geld vorhanden.
Für die Rolle des verbannten Vulkaniers Sybok hatte man ursprünglich Sean Connery vorgesehen, aber der drehte doch lieber den dritten Teil der »Indiana Jones«-Reihe, was rückblickend eine sinnvolle Entscheidung war.

Kritiker und Publikum hassten den Film. Nach einem guten ersten Kinowochenende gingen die Zuschauerzahlen zügig in den Keller, und die ursprüngliche Hoffnung, mindestens 200 Millionen Dollar einzusacken, gab man ganz schnell auf. Zu guter Letzt gewann der Film auch noch drei Goldene Himbeeren, davon gingen zwei an William Shatner für die schlechteste Regie und den schlechtesten Schauspieler.

Heute sagen viele an dem Film beteiligte Leute, dass der Misserfolg beinahe das »Star Trek«-Franchise getötet hätte.

Regie: William Shatner
Drehbuch: David Loughery
Schauspieler: William Shatner, Leonard Nimoy, DeForest Kelley, James Doohan, George Takei, Nichelle Nichols, Walter Koenig, David Warner
Musik: Jerry Goldsmith
Kamera: Andrew Laszlo
Land: USA
Budget: 33 Mio. $
Start: 09.06.1989

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